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Graubünden im Glas – Ein Gespräch mit Silvia Zuberbühler, Personal Sommelière
Hinter der Weinkarte im neuen Weinkeller der Tgesa Romana steckt ein Konzept. Personal Sommelière Silvia Zuberbühler nimmt uns mit in die Welt der Bündner Weine.
Lust auf ein Glas Wein? Oder zwei? Dann wirst du im neuen Weinkeller der Tgesa Romana bestimmt fündig. Hinter der Weinkarte steht ein Konzept, das wir eigens mit der Personal Sommelière Silvia Zuberbühler erstellt haben. Sie erklärt uns, warum sie auch mal Pinot Noir aus dem Bündnerland und dem amerikanischen Oregon vergleicht und welche Bündner Traubensorte noch ein echter Geheimtipp ist.
Silvia, die Bündner Herrschaft gilt als Pinot-Noir-Hotspot. Was macht die Region so besonders?
Das Zusammenspiel aus besonderen klimatischen Bedingungen (insbesondere dem milden Klima mit dem Föhneinfluss) sowie einer langen Weinbautradition macht die Bündner Herrschaft einzigartig. Der älteste dokumentierte Nachweis für den Weinbau im Kanton Graubünden stammt aus dem Jahr 765. Heute wird diese Tradition von innovativen, hervorragend ausgebildeten Winzerinnen und Winzern weitergeführt und perfektioniert. So entstehen Weine, die Herkunft, Handwerk und Charakter auf besondere Weise vereinen.
Bündner Weine haben einen exzellenten Ruf – aber kaum jemand kennt sie ausserhalb der Schweiz. Woran liegt das?
Das liegt vor allem an den geringen Produktionsmengen. Im Jahr 2025 wurden lediglich 1,22 % des Schweizer Weins exportiert. Die Bündner Herrschaft macht mit ihren rund 400 Hektaren Rebfläche nur etwa 3 % der gesamten Schweizer Weinproduktion aus. Und weil wir unsere Weine selbst so gerne trinken, bleibt nur wenig übrig, um sie international bekannt zu machen. Umso mehr hat es mich gefreut, als ich kürzlich in China war und in einer sehr guten Weinbar in Peking auch Schweizer Weine entdeckt habe. Das Interesse ist also da, das freut mich.
Welche Bündner Rebsorte überrascht Gäste am meisten – und warum?
Completer: Diese autochthone Bündner Weissweinsorte begeistert durch ihre Struktur, ihre Eigenständigkeit und ihr grosses Reifepotenzial. Aufgrund ihrer anspruchsvollen Bewirtschaftung im Rebberg war sie zwischenzeitlich beinahe verschwunden. Heute entstehen jedoch wieder beeindruckende Weine aus dieser Sorte. Gerade bei Sommelier-Freunden aus dem Ausland sorgt Completer immer wieder für Überraschung und Begeisterung.
Welche Bündner Produzenten oder Lagen haben dich bei der Zusammenstellung der Karte besonders überzeugt?
Mich begeistert vor allem die Vielfalt der Region. Bei den Weissweinen reicht das Spektrum vom frischen, knackigen Riesling-Sylvaner bis hin zum harmonischen, komplexen Chardonnay mit Holzausbau. Bei den Rotweinen zeigen bereits die Pinot Noirs eine enorme Bandbreite: von saftigen, weichen, zugänglichen Weinen für einen entspannten Abend auf der Terrasse bis hin zu eleganten, strukturierten Gewächsen mit grossem Reifepotenzial, die hervorragend zum Essen passen.
Wie ergänzen sich die regionalen Weine und die private Sammlung von Sascha Gruber aus den USA?
Das Schöne an der Weinwelt ist ihre Vielfalt. Jede Sammlung, mit der ich arbeite, erzählt eine ganz persönliche Geschichte. Sascha Gruber hat einige Zeit in den USA gelebt und von dort besondere Weine mitgebracht. Wieso nicht einen unserer tollen Bündner Pinots neben einem aus Oregon degustieren, um zu sehen, wo wir uns ähnlich sind und wo wir vielleicht doch etwas anders ticken? Für mich passt das perfekt zur Idee eines Weinkellers als Ort der Begegnung: gemeinsam Zeit verbringen, geniessen und sich bei einem Glas Wein austauschen.
Was sind für dich die spannenderen Gäste: Menschen, die bereits viel über Wein wissen oder solche die noch neu im Thema sind?
Die Mischung macht es aus. Es ist immer spannend, sich mit erfahrenen Weinliebhabern auszutauschen und gemeinsam in die Tiefe zu gehen. Gleichzeitig macht es grosse Freude, Menschen neu für das Thema Wein zu begeistern. Mit dem Weinkeller-Konzept des Tgesa Romana schaffen wir beides: Es gibt eine unkomplizierte, übersichtliche Weinkarte für den einfachen Einstieg und daneben die umfangreiche digitale Karte mit vielen Hintergrundinformationen zu jedem Wein. So können alle nach Lust und Interesse durch den Weinkeller schmökern und Neues entdecken.
Ein perfekter Abend in der Tgesa Romana: Was empfiehlst du?
Für mich beginnt ein perfekter Abend mit einem Glas Schaumwein, dazu vielleicht etwas Trockenfleisch oder regionale Spezialitäten zum Teilen. Anschliessend ein schön gereifter Bündner Pinot Noir zu einem Gericht aus der regionalen Küche. Ich mag ein zartes Stück Fleisch von der Dorfmetzgerei «Peduzzi». Genauso wichtig sind auch die Menschen am Tisch, die Gespräche und ganz allgemein die gemütliche Stimmung in den Bergen.
Zur Person
Silvia Zuberbühler ist die erste Personal Sommelière der Schweiz. Nach Stationen in der Pariser Spitzengastronomie und vielen Jahren im Zürcher Weinhandel gründete sie 2022 ihr Unternehmen Personal Sommelier GmbH. Sie berät Privatkunden wie auch Gastrobetriebe rund um Kellerorganisation, Weinauswahl und Degustationen. Ihr Ziel: die Weinleidenschaft zugänglich machen und den Genuss in den Vordergrund rücken.
